Sind E-Autos teurer als Verbrenner?

Man hört immer wieder folgendes Argument: E-Autos sind mir zu teuer, da kaufe ich mir lieber einen Verbrenner.” Die Elektromobilität erfreut sich wachsender Beliebtheit, doch es gilt noch Herausforderungen zu bewältigen. Ist der Kostenfaktor eine der Herausforderungen?

E-Autos sind teurer: Wahrnehmung oder Fakt?

Tatsächlich liegt der Anschaffungspreis eines E-Autos in der Regel über dem eines vergleichbaren Verbrenners. Das lässt sich vor allem mit der kostenintensiven Batterieherstellung erklären. Wenngleich der Kaufpreis dadurch zurzeit noch stark in die Höhe getrieben wird, zeichnet sich dennoch ein klarer Trend in Richtung sinkender Batteriepreise ab.

Auch der Gebrauchtwagenmarkt ist derzeit noch in der Entwicklung. Grundsätzlich wurden die meisten E-Autos in den letzten Jahren als Neuwagen erworben und befinden sich derzeit in der Nutzung. Auf einen vielfältigen Gebrauchtwagenmarkt kann die E-Mobilität also erst in ein paar Jahren verfügen.

Die Anschaffungskosten sind also im Augenblick noch merklich höher als bei einem vergleichbaren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, doch viele Parteien haben ein Interesse an der Durchsetzung nachhaltiger Mobilität. Hersteller bieten oft großzügige Rabatte und es gibt immer wieder lukrative Fördermöglichkeiten.

Förderung senkt die Anschaffungskosten

Die Förderung im Rahmen des Umweltbonus wurde zwar gesenkt, dennoch gibt es auch 2023 immer noch Förderungen und Beteiligungen beim Kauf eines neuen E-Fahrzeugs.

Seit dem 1. Januar 2022 kann zudem für jedes neu zugelassene Elektrofahrzeug eine THG-Prämie beantragt werden. So profitiert der Elektroautofahrer von einem jährlich ausgezahlten zweistelligen Geldbetrag, indem er seine CO₂-Einsparung über einen THG-Quoten-Vermittler wie carbonify verkauft – der Halter kann mit seinem E-Auto sozusagen ein kleines passives Einkommen generieren.

Laufende Kosten unterscheiden sich

Neben den Anschaffungskosten, die durchaus aktuell noch etwas höher sind im Gegensatz zum Verbrenner, kann im Bereich laufender Kosten gespart werden. Einige Länder oder Kommunen bieten kostenfreies Parken oder Fahren auf der Busspur für E-Autos an, da die E-Mobilität so gefördert werden kann.

Außerdem sind Elektrofahrzeuge bis Ende 2030 von der Kfz-Steuer befreit. So lässt sich trotz des vergleichsweise hohen Kaufpreises bereits eine Menge Geld einsparen.

Wartungskosten

In puncto Wartungskosten sind Elektroautos jedem Verbrenner meilenweit überlegen. In einem Verbrennungsmotor sind über 1000 bewegliche Teile verbaut, in einem Elektromotor nur ein Bruchteil davon – somit fällt die Anzahl verschleiß-intensiver Teile wesentlich geringer aus.

Ein teurer Getriebeschaden ist beim E-Auto deutlich unwahrscheinlicher als bei einem herkömmlichen Verbrenner und auch eine Abgasanlage, Zahnriemen & Co. sucht man vergeblich. Selbst die Bremsbelege muss man deutlich seltener tauschen, da sie durch die Rekuperation geschont werden.

Dementsprechend günstig kommt man als Elektroautofahrer bei der Hauptuntersuchung davon.

Stromkosten: Ist Laden oder Tanken günstiger?

Kommen wir zu den Stromkosten – die wichtigste und zugleich individuellste Variable in dieser Rechnung. Hier lassen sich keine verallgemeinerbaren Aussagen treffen, denn die Kosten für den Ladestrom hängen vom Fahrprofil, von der Wohnsituation sowie vielen weiteren Faktoren ab.

Am günstigsten ist es, wenn man zu Hause den selbsterzeugten Solarstrom laden kann. Aber selbst, wenn man nicht das Privileg einer heimischen Wallbox hat, muss das nicht bedeuten, dass das Tanken eines vergleichbaren Verbrenners automatisch günstiger ist.

Mittlerweile drängen viele neue Ladestromanbieter auf den Markt, die sich preislich gegenseitig unterbieten wollen, um möglichst viele Kunden zu generieren. Es lohnt sich auch, einen Blick auf die Tarife der lokalen Stadtwerke zu werfen – häufig lassen sich dort recht günstige Konditionen finden.

Wenn die öffentliche Ladeinfrastruktur am Wohnort im Augenblick noch lückenhaft ist, besteht vielleicht die Möglichkeit, am Arbeitsplatz zu laden. Die Ladestrompreise in Mitarbeiterparkhäusern sind in der Regel vergleichsweise niedrig und viele mittelständische Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter zum jetzigen Zeitpunkt sogar noch kostenlos laden.

Wer macht das Rennen: Ist der Verbrenner oder das E-Auto teurer?

Untersuchungen zu den sog. Total Cost of Ownership, also den Gesamtkosten, die ein Halter mit einem Fahrzeug über die gesamte Nutzungszeit hat, ergaben folgendes: Ein E-Auto liegt zwar in der ersten Zeit hinten, fährt aber nach einiger Zeit seine Mehrkosten durch die niedrigeren laufenden Kosten wieder ein.

Die Frage, ob das E-Auto nun teurer ist, lässt sich nicht abschließend beantworten, da dies von vielen individuellen Faktoren abhängt. Fakt ist jedoch: Trotz des höheren Kaufpreises machen die diversen Förderungen und niedrigeren laufenden Kosten das E-Auto auch finanziell gesehen attraktiver, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Die pauschale Aussage, Elektroautos seien grundsätzlich teurer als Verbrenner, ist daher nicht zutreffend.