Was sind E-Fuels: Lösung oder notwendiger Kompromiss?

E-Fuels sind schon länger in der Diskussion und bieten unserer Einschätzung nach viel Potenzial, als auch gewisse negative Aspekte. Tim Kimpel, Mitglied im carbonify C-Level, hat sich mit einigen Gedanken zu diesem Thema geäußert.

Außerdem erklären wir auch ein paar Grundlagen. Was sind E-Fuels eigentlich und warum gibt es Probleme bei der Produktion? Sind E-Fuels eine bahnbrechende Innovation oder sollten wir es kritischer betrachten? Wir bei carbonify klären im folgenden Beitrag auf.

Kurz gesagt: Was sind E-Fuels überhaupt?

E-Fuels sind synthetisch hergestellte Kraftstoffe, die mit Hilfe von erneuerbaren Energien erzeugt werden. Das Endprodukt ist dann ein flüssiger Kraftstoff, der in herkömmliche Verbrennerautos getankt werden kann.

E-Fuels entstehen, indem CO₂ und Wasserstoff unter Verwendung von erneuerbarer Energie umgewandelt werden. Dabei wird die erneuerbare Energie genutzt, um eine Synthese einzuleiten. Eine Wasserstoff-Elektrolyse und gebundenes CO₂ aus Biomasse, der Industrie oder der Atmosphäre wird für die Synthese genutzt.

Welche Arten von E-Fuels gibt es?

Es gibt grundsätzlich drei Arten von E-Fuels. Sie unterscheiden sich in der Herstellung kaum, dafür umso mehr in den Einsatzgebieten.

  • E-Methanol: E-Methanol kann als Treibstoff in Verbrennungsmotoren genutzt werden, wie in u. a. Autos, Lastwagen und Schiffen oder für die Herstellung von Kunststoffen und anderen chemischen Produkten dienen.

  • E-Diesel: Er kann in allen Dieselmotoren genutzt werden. Aufgrund seiner ähnlichen Eigenschaften zu herkömmlichen Diesel kann E-Diesel leicht in die bestehende Infrastruktur integriert werden.

  • E-Benzin: E-Benzin kann in Ottomotoren verwendet werden, die in den meisten Autos verbaut sind. Wie E-Diesel kann E-Benzin wegen seiner Eigenschaften gut integriert werden.

E-Fuels: Können sie den herkömmlichen Kraftstoff ersetzen?

Es ist wichtig zu betonen, dass nach aktuellem Kenntnisstand E-Fuels als ergänzende Maßnahme zur Emissionsreduzierung im Verkehrssektor betrachtet werden sollten. Eine flächendeckende Nutzung von E-Fuels im Verkehr oder in der Industrie ist noch nicht möglich.

Die Herstellung von E-Fuels sind sehr energie- und kostenaufwendig. Dies spiegelt sich im Kaufpreis wider. Zudem sind die Herstellungskapazitäten nicht gegeben. Man könnte nicht genug E-Fuels herstellen, um den gesamten Bedarf zu decken.

Laut einem Informationsbeitrag von Statista ist die Nutzung von 100 % E-Fuels in naher Zukunft sehr unwahrscheinlich. Auch, weil aktuell andere Maßnahmen, wie die E-Mobilität weiter entwickelt sind und im Vergleich besser abschneiden.

Die priorisierte Idee hinter den E-Fuels ist erstmal weniger einen kompletten Ersatz von fossilen Treibstoffen zu bieten, sondern vielmehr darin, einen kohlenstoffneutralen Kreislauf zu schaffen.

Bei der Herstellung von E-Fuels wird CO₂ aus der Atmosphäre verwendet. So kann ein Kohlenstoffkreislauf entstehen, wenn die Energiequelle für die Herstellung erneuerbar ist. Da die Technologie noch neu ist, bleibt auch hier weiter abzuwarten, wie sie sich weiterentwickeln wird.

carbonify kritisch: E-Fuels sind nicht massentauglich

Natürlich sind E-Fuels effizienter als herkömmliche fossile Treibstoffe, allerdings übertreffen sie nicht die Nutzung von Strom im Verkehrssektor. Der Strom wird nicht, wie beim E-Fahrzeug, direkt verwendet, sondern durchläuft aufwendige Verfahren, um daraus kompatiblen Treibstoff für Verbrennerfahrzeuge zu machen.

Damit bilden sich im Vergleich zum batterieelektrischen Fahrzeug erhebliche Effizienzverluste bei der Produktion sowie bei der Nutzung von E-Fuels. Für die Produktion von E-Fuels muss viel mehr erneuerbarer Strom erzeugt werden, wie ein E-Fahrzeug an der Ladesäule benötigen würde.

Das Verfahren für E-Fuels ist noch nicht ausgereift genug, um sie energieeffizient zu produzieren oder sie kostengünstig der breiten Masse anzubieten. Der derzeitige Stand der E-Fuels veranlasst Tim Kimpel zu sagen, dass sie keines Weges eine Alternative sind, um die E-Mobilität zu ersetzen oder die Masse der Verbrenner mit sauberem Kraftstoff zu versorgen.

Aber E-Fuels haben unserer Einschätzung nach auch großes Potenzial für eine Zukunft. Während der Alltagsverkehr sich nachhaltiger Mobilität und emissionsfreier Alternativen bedient, könnten E-Fuels in Bereichen eingesetzt werden, in denen E-Mobilität nach aktuellem Kenntnisstand eine große Herausforderung darstellt. Dies ist bspw. im Flug- oder Schiffsverkehr der Fall. Auch für das Fahren von Oldtimern können E-Fuels perspektivisch Anwendung finden.

Wir finden, dass E-Fuels eine Lösung ist, die ideal für den Übergang oder für gewisse Sektoren gut geeignet ist, um Emissionen zu vermindern. Es wird uns aktuell aber nicht alleinig zu einem emissionsfreien Verkehr führen.